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Ulrich Beese
Universitätsmedizinisches Zentrum Groningen

Ulrich Beese

Anästhesist und Schmerzspezialist Universitätsmedizinisches Zentrum Groningen
Anästhesist Schmerzspezialist
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Kannst du dich selbst kurz vorstellen?

Mein Name ist Ulrich Beese. Ich wurde in Deutschland als Anästhesist und Schmerzspezialist ausgebildet, arbeite aber jetzt schon seit mehr als 20 Jahren an der Uniklinik in Groningen in den Niederlanden.

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Was hat mich der Umgang mit Patient*innen mit chronischen Schmerzen gelernt?

Auf der einen Seite Bescheidenheit. Unser Wissen warum sich z.b. nach einer Operation langanhaltende Schmerzen entwickeln können und bei andere Patienten die sich einen vergleichbaren Eingriff unterzogen haben nicht, ist noch lückenhaft. Auch müssen wir ehrlich kommunizieren, dass wir den verständlichen Wunsch vieler Patientinnen und Patienten auf Schmerzfreiheit oder zumindest deutliche Verminderung der Schmerzen oft nicht erfüllen können. Auf der anderen Seite haben wir aber auch sehr viel gelernt; wie chronischer Schmerz entsteht und welche Faktoren möglich beitragen, dass die Beschwerden bestehen bleiben und viele einen Kontrollverlust erfahren. Hier ist es sehr wichtig individuell mit dem Patienten oder der Patientin einen Plan zu machen: was bedeutet Lebensqualität und was können wir tun um diese zu verbessern.

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Welche Missverständnisse bezüglich chronischen Schmerzen sind häufig?

Der Glaube, dass die Ursache für chronische Schmerzen eine Beschädigung sein muss, die man mit modernen Verfahren der Diagnostik anweisen und den man dann am besten chirurgisch behandeln kann. Das führt dann leider zur Wiederholung von Untersuchungen, Verweisungen und teilweise auch Behandelungen, die mehr aus dem Wunsch entspringen, etwas zu tun, als aus einer Begründung, was man sich realistisch davon erwartet. Das verstärkt dann leider den erfahrenen Kontrollverlust vieler Patientinnen und Patienten.

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Was sollte jede*r Patient*in mit chronischen Schmerzen begreifen?

Dass ein Patient oder Patientin sich selbstverständlich nicht „verantworten“ muss, wenn trotz der erfahreneren und teilweise starken Schmerzen nicht immer Abweichungen bei Untersuchungen gefunden werden. Die Schmerzerfahrung ist immer real. Es ist sehr wichtig zu begreifen, dass der Zusammenhang von Schaden und Schmerz bei akuten Zuständen oftmals offensichtlich ist, bei chronischem Schmerz jedoch nicht. Mögliche Ursachen liegen teilweise lange zurück und können auch nicht mehr ungeschehen gemacht werden. Umso wichtiger ist es, sich auf Faktoren zu konzentrieren auf die man Einfluss hat und sich Gedanken zu machen was sind für mich wichtige Ziele and denen ich zusammen mit den beteiligten Kolleginnen und Kollegen (Physiotherapeut*innen, Psycholog*innen und Ärzt*innen) arbeiten kann.

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Was gibt mir Hoffnung bezüglich Entwicklung der Schmerzmedizin?

Chronischer Schmerz wird jetzt auch offiziell nicht mehr als ein Symptom von einem zugrundeliegenden Problem gesehen, sondern als eigenständige Krankheit. Das schärft hoffentlich auch unter vielen Kollegen und Kolleginnen das Bewusstsein, dass die Zusammenhänge viel komplexer sind, als dass wir alle Patienten und Patientinnen nach dem gleichen Schema behandeln: was leider häufig bei starken Schmerzmitteln endet. Studierende lernen darüber hinaus in der Ausbildung jetzt schon mehr über die sozialen und psychologischen Faktoren, die sehr wichtig für das Entstehen und Bleiben von Schmerz sind.